Einleitung

In meinem letzten Beitrag (Kurzbeitrag zur modellbasierten Kostenermittlung im 5D BIM-Konzept) hatte ich das grundlegende Konzept hinter 5D BIM vorgestellt. Nun möchte ich das Thema im Hinblick auf einige der verfügbaren Softwaretools vertiefen, mit denen eine 5D-Projektbearbeitung möglich ist.

Disclaimer: Meine Auswahl an Softwaretools bildet nicht den kompletten Markt im Bereich 5D BIM ab, sondern betrachtet nur die Tools, welche mir generell zur Verfügung stehen, ergänzt um eine Auswahl weiterer Anwendungen von denen mir die jeweiligen Anbieter Testversionen bereitgestellt haben. Ich erhalte von keinem der Softwareanbieter eine Vergütung für meinen Beitrag.

Die Auswahl der von mir nachfolgend vorgestellten Softwaretools lautet wie folgt:

Entwickler Anwendung Version bzw. Lizenzen
Dr. Schiller & Partner GmbH DBD-BIM Plug-in für ARCHICAD 26

DBD-BIM Plugin für Revit 2023

DBD-BIM für ARCHICAD 26 (Version 3.11)

DBD-BIM für Revit 2023
(Version 6.1)

ORCA Software GmbH ORCA AVA ORCA AVA 25
(Version 25.0.1.104)
Enterprise Edition
RIB Software GmbH iTWO Baseline iTWO 2022
(Version 11.0.520)
mit 5D, AVA und Kostenermittlung
G&W Software AG California Pro

BIM2AVA

Version 13.1.09

Version 14.1 R4

BECHMANN GmbH Bechmann AVA

Bechmann BIM

Bechmann AVA 2022 (20.22.80)
Bechmann BIM 2022 (20.22.80)

 

Zu Beginn möchte ich mit der CAD-seitigen Kostenbemusterung starten und diese am Beispiel von den jeweiligen DBD-BIM Plugins für Archicad und Revit vorstellen.

Anschließend werde ich jede Woche einen neuen Beitrag zu den verschiedenen Softwarelösungen veröffentlichen

DBD-BIM für Archicad 26

Die Integration in Archicad

In Archicad sind alle DBD-BIM-Funktionen im gleichnamigen Menüreiter aufrufbar.

Bauteilübersicht, Bemusterung und Baukostenauswertung sind dabei in einem gemeinsamen externen DBD-BIM-Fenster (unabhängig vom Archicad-Hauptfenster) gruppiert.

Eine parallele Darstellung der Funktionsreiter ist im Fenster nicht möglich. Man kann immer nur eine der Funktionen sehen und benutzen. Zusätzlich sei erwähnt, dass das Bemusterungsfenster auf einem Framework basiert, das als Tasktray-Anwendung im Hintergrund läuft und jeweils die Einbindung in genau ein Archicad-Projekt bereitstellt. Jedes DBD-BIM Plugin (für jede installierte Archicad-Version) erhält ein eigenes Icon unter denen immer nur eines aktiv und in Projekt eingeklinkt sein kann. Für die Praxis bedeutet das, dass man weder in mehreren Archicad-Versionen gleichzeitig mit DBD-BIM bemustern kann, noch kann man zwei Projekte in ein und derselben Archicad-Version zugleich bemustern. Die weitere Bemusterung ist dann nur möglich, wenn man alle Archicad-Fenster, bis auf das zu bemusternde Projekt, schließt.

Die Bemusterungsfunktionen in Archicad

Die Bemusterung der Bauteile in Archicad findet immer anhand der zur Bemusterung ausgewählten Bauteile statt. Für eine modellweite Bemusterung von Bauteilen ist folglich die Nutzung der „Suchen und Aktivieren“-Funktion innerhalb von Archicad sehr hilfreich, da man mit dieser variabel, entsprechend der eigenen Modellierung, die zu bemusternden Bauteile auswählen kann. Zum Beispiel über eine spezifische mehrschichtige Wand, wie im gezeigten Screenshot.

Anhand der so oder einzeln selektierten Bauteile wird die Bemusterung durchgeführt. In aktuellen Archicad-Versionen ist dabei auch die Bemusterung einzelner Schichten von mehrschichtigen Bauteilen möglich. Speziell durch diese noch recht neue Funktion lassen sich besonders präzise (schichtbezogene) Mengenansätze als Grundlage der Bemusterung aus Archicad beziehen.

Am nachfolgen abgebildeten Beispiel ist dies an dem schichtweise von außen nach innen kleiner werdenden Mengenansatz zu erkennen, der die Geometrieverhältnisse in Bezug auf die Mauerecke der Wand korrekt quantifiziert. Hinweis: die Innenputzschicht ist im Beispiel nicht bemustert.

Der genauere Mengenansatz bleibt somit in der Kostenermittlung als nennenswerter Vorteil zur Gesamtbauteilbemusterung in einem Kostenelement und ist daher gegen den etwas höheren Bemusterungsaufwand aufzuwiegen.

Vorgriff: In diesem Umstand besteht auch der Hauptunterschied zur Schichtbemusterung mit DBD-BIM in Revit. Obwohl Revit ebenfalls die schichtweise Bemusterung ermöglicht, vermag Revit es nicht jede Baustoffschicht mit einem expliziten eigenen Mengenansatz auszustatten, sondern berechnet alle Mengen am Bauteil immer nur über die Referenzlinien der Bauelemente und überträgt sie in jede angefügte Schichtbemusterung.

Um die DBD-BIM-Bemusterungen in einem eigenen (standardisierten) Bauteilkatalog zu hinterlegen, kann man ferner auch auf die Favoriten-Funktion von Archicad zurückgreifen. Diese speichert Geometrie und Bauteileigenschaften, was die DBD-Bemusterung miteinschließt.

Vorsicht ist jedoch bei einer planerischen Nachbearbeitung der Bauteile geboten, da die Aktualisierung der Mengenermittlung zwar alle neuen Favoritenbauteile als auch ihre projektspezifische Geometrie adaptieren kann, jede sekundäre Anpassung aber per Hand in der Bemusterung geändert werden muss. (z.B. nachtäglich Austausch von Putzschichten oder Änderung der Beton- oder Steinfestigkeit)

Die Übergabefunktionen in Archicad

In Archicad stehen die Übergabeformate IFC, GAEB-LV-Export sowie BIM-LV-Container im MMC-Format als relevante Übergaben zur Auswahl. Im Unterschied zum DBD-Plug-in für Revit erfolgt der IFC-Export nicht über das Plug-in, sondern über einen im Archicad-Projekt verfügbaren IFC-Übersetzer. Dies ermöglicht die Nutzung der deutlich weitreichenderen IFC-Exportfunktionen von Archicad, wobei darauf zu achten ist, dass der gewünschte IFC-Übersetzer auch die von DBD-BIM genutzten Eigenschaften (u.a. den DBD-BIM-Key) mit exportiert.

Der GAEB-Export ist im Archicad-Plug-in leider auf die automatische Ausgabe des LVs nach Leistungsbereichen beschränkt. Eine davon abweichende LV-Struktur, wie sie in Revit wählbar ist, kann nicht erzeugt werden.

DBD-BIM für Revit 2023

Die Integration in Revit

In Revit sind alle Funktionsfenster von DBD-BIM als Revit-Andockfenster implementiert. Dadurch wird, im Gegensatz zum Plug-in für Archicad, die gleichzeitige Darstellung des Bemusterungs- und des Auswertungsfensters ermöglicht. Der Funktionsaufruf von DBD-BIM ist infolge der Bereitstellung in der Ribbon-Bar von Revit ebenfalls ein wenig komfortabler.

Mit geöffnetem „Objekte bemustern“-Fenster kann nun die Kostenbemusterung von Bauteilen in 2D als auch in 3D-Ansichten durchgeführt werden.

Die Bemusterungsfunktionen in Revit

Als großer Vorteil gegenüber der DBD-BIM-Bemusterung in Archicad ist die Bauteiltypen-basierte Elementlogik von Revit anzusehen, die auch bei der Auswahl von nur einem Bauteil eines Typs die Bemusterung sofort an alle Bauteile des gleichen Typs weitergeben kann. Bedarfsgerecht sind somit Bemusterungen an Bauteiltypen und deren Bauteilschichten oder einzelnen Exemplaren sowie deren Schichten durchführbar.

Während der Bemusterung bezieht DBD-BIM, ebenso wie in Archicad, die Grundeigenschaften des Bauteils und wählt ein passendes Kostenelement vor. Dieses wird wie gehabt mit zusätzlichen Bemusterungsoptionen ausdetailliert um eine möglichst genaue bautechnische Beschreibung und Kostenansatz zu erhalten. Nur wenn DBD-BIM einmal keine Basisdefinition anhand der Bauteileigenschaften finden kann, ist die manuelle Auswahl eines geeigneten Elements im DBD-BIM-fenster nötig.

Dabei muss beachtet werden, dass alle Kostenelemente einen Mindestsatz an Bemusterungsinformationen benötigen, um mit einem zugehörigen Kosten- und Bauzeitansatz ausgestattet werden zu können. Ein „unterbemustertes“ Kostenelement ist im Reiter „Leistung + Baupreise“ am fehlenden Einheitspreis zu erkennen. Die Prüfung auf hinreichende Bemusterung kann dabei on-the-fly erfolgen, ohne vorher die Bemusterung per „Daten übernehmen“ am Bauteil antragen zu müssen.

So können Modelle komfortabel nach Revit-Elementtyp bemustert werden, wovon einzig Fenster und Türen ausgenommen sind. Diese können nur pro Exemplar bemustert werden. Eine gleichzeitige Bemusterung durch vorherige Auswahl betreffender gleicher Fenster oder Türen ist aber ebenfalls möglich.Die Baukosten, werden während der Bemusterung fortwährend über die Bauteilmengen und bemusterten Bauleistungen aufsummiert und können jederzeit mit variabler Sortierung eingesehen werden.

Ebenso werden bereits vorhandene Typ-Bemusterungen an neuen Bauteilen desselben Typs durch die Mengenaktualisierung angetragen und schreiben dadurch die 5D-Kostenermittlung zumindest teilweise automatisch fort.Daneben ist das „Baukosten auswerten“-Fenster auch zweiwege-fähig, wählt also bei Auswahl einer Bauleistung in der Auswertungstabelle auch die mit der Leistung bemusterten Bauteile im Modell.

Um eine normkonforme Mengenermittlung aus der Bemusterung zu erhalten, ist, im Gegensatz zur Bemusterung in Archicad, die manuelle Abwahl von Öffnungsabzügen im Sinne der Übermessung nötig. Die passende Auswahl wird im „Abzugsgrößen“-Fenster per Tick-box getroffen.

In großen Projekten kann die dann vermutlich lange Liste an Öffnungen durch die integrierte Filterfunktion auf Öffnungen des zu übermessenden Größenbereichs (pro Gewerk) begrenzt werden.

Die anschließende Mengenaktualisierung im „Prüfen“-Fenster passt die Bauteilmengen entsprechend der Abwahl von Abzügen automatisch an.

Die Übergabefunktionen in Revit

Für den Export stehen im Wesentlichen die gleichen Funktionen bereit wie in Archicad. Etwas besser gestaltet sich aber der Export als GAEB-LV, welcher mehr Optionen für die Strukturierung des Übergabe-LVs bietet als in Archicad. Dies ist von Vorteil, wenn man noch kein 5D-fähiges AVA-System nutzt und folglich auf die klassische GAEB-Schnittstell angewiesen ist, um die Bemusterung der Bauteile in die AVA zu überführen.

Anderenfalls stehen für den 5D-Export die Formate IFC, BIM-LV-Container (MMC) und, für iTWO-Anwender, CPIXML (via iTWO-Plug-in für Revit) bereit, um das Modell zusammen mit der DBD-BIM-Bemusterung im geeigneten Format an das AVA-System zu übergeben.

Und dass es unter BIM-Interessierten einen wirklichen Bedarf für den Export der Bemusterung nach Excel gibt, hoffe ich mal nicht.

Arndt Fiebig

Arndt hat spätestens seit seiner Masterarbeit Blut für das Thema BIM vor allem in der digitalen Mengenermittlung geleckt. Dabei wird er nicht müde, den kleinen und großen Herausforderungen in der Nutzung von Software und Prozessen zu begegnen und akkurat Lösungsideen zu entwickeln. Vor allem der Biss und die Liebe zum Detail mit der er in diese Themen hineingeht, zeichnen ihn aus und machen ihn zu einem echten Experten auf dem Gebiet.
Arndt arbeitet bei der S&P Gruppe daran, den AVA- und Kostenprozess immer weiter zu digitalisieren. Sein ständiger Begleiter, der Heavy Metal. Privat beschäftigt er sich mit dem ganz physischen Hausbau und hat immer Zeit und ein offenes Ohr für das ein oder andere Schrauberthema.