Wenn man nicht gerade in den Normungsausschüssen mitarbeitet, ist es manchmal gar nicht so leicht den Überblick über das aktuelle Normungsgeschehen zu erhalten. Gerade weil viel hinter verschlossenen Türen stattfindet. Das hat sicherlich seine Berechtigungen, sorgt aber leider auch dafür, dass wichtige bzw. einheitlich gültige Grundlagen zu BIM nicht überall ankommen. In diesem Beitrag möchte ich daher gern die Chance nutzen und zumindest die Grundlagen der BIM-Normung kurz vorzustellen, etwas auf die Anwendung eingehen und meine eigene Arbeit im Normungskreis vorstellen. Das soll die Basis bilden für eine Beitragsreihe in der ich immer im Nachhinein wichtiger Sitzungen meiner Arbeitskreise über aktuelle Themen berichte und diese kommentiere.

Wo erfolgt die BIM Normung?

Aktuell gibt es vier Normungsgremien die aktiv BIM-Grundlagen zusammentragen, ausarbeiten und dann veröffentlichen. Dazu zählen ISO, CEN, DIN und VDI. Die Reihenfolge ist wichtig, da der höchste Standard vor dem Niedrigeren gilt und sogar in diesen überführt werden muss. Es gilt also ISO (Weltweit) vor CEN (europäisch) vor DIN (deutsch) vor VDI (deutsche Spezifizierung).

Deswegen sind auch viele internationale BIM-Normen wie die DIN EN ISO 19650 durchaus als länderspezifische- oder europäische Normen entstanden, wurden aber später auf einem ISO-Level in die globale/weltweite Gültigkeit überführt. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt in einem weltweit einheitlichen Verständnis. Der Nachteil ist eine höhere Offenheit der Anforderungen, da dadurch eine größere Bandbreite an Länderspezifika zu einem Kompromiss geführt werden muss.

Die wichtigsten Beziehungen inkl. ausgewählter Standards sind in der nachfolgenden Grafik nochmal dargestellt.

Die BIM Normungsgremien

Für den Bereich BIM wird das Thema Normung aktuell viel durch CEN und DIN beeinflusst. Diese haben sich ähnlich oder auch inhaltlich gespiegelt aufgestellt, um inhaltliche Konterparts zu bilden.  Die wichtigsten sind nochmal nachfolgend dargestellt und sind gleichzeitig auch Spiegelgremien für ISO-Standards, die ich aufgrund der Komplexität an dieser Stelle weggelassen habe.

Die Projektgruppen von DIN und CEN

Wichtig zu erwähnen ist, dass der BuildingSMART e.V. als Partner in der BIM-Normung auftritt. Gerade international (ISO/CEN) tritt der Verein häufig prenormativ oder parallel zur Normung in Aktion und beeinflusst und begleitet diese. Das prominenteste Beispiel dafür ist die ISO 16739, welche das IFC-Schema auf ISO-Level beschreibt.

Wer sich noch mehr über all diese Standards und die Zusammenhänge informieren möchte, der kann sich auch auf den entsprechenden Normungswebseiten informieren und auch über die Ansprechpartner mehr Informationen bekommen. Für das generelle Verständnis zum Aufbau der Normungsgremien soll das von meiner Seite aber erstmal genügen. Hier der Link dazu. Achtung man muss etwas nach unten scrollen.

Wozu sind die entwickelten Normen gut?

Im ISO-Level sind vor allem die DIN EN ISO 29481, DIN EN ISO 19650 und DIN EN ISO 16739 für internationale Projekte von entscheidender Bedeutung, da diese für eine breite Basis sorgen. Diese Normen tauchen auch häufig in AIAs und BAPs großer/internationaler Unternehmen auf und sorgen für eine gezieltere Verständigung und klare Bezüge in der Sprache.

Das funktioniert in dem Kontext erstmal, weil ein großes Unternehmen, den Rahmen, den die Normen geben,  für sich füllen und dann wiederum anderen vorgeben kann: Die Norm ist dann nur die Sprache und die Strukturvorgabe.

Für den praktischen BIM-Anwender, der keine großen internationalen Projekte bedienen will, sind die Normen aber erstmal nicht sehr hilfreich. Das liegt einerseits an der Menge und Komplexität der Standards und andererseits auch daran, dass die meisten Normen sehr (IT-)technisch sind und deren Zielgruppe Softwareentwickler sind, z.B.: ICDD oder IFC. Selbst direkt an Endanwender adressierte Normen wie die ISO EN DIN 19650 – die ich trotzdem sehr empfehlen kann – sind sehr konzeptionell und gar nicht so leicht verständlich, was die Implementierung in die eigenen Projekte erschwert.

Der VDI versucht dies durch eine, eher auf Anwender zugeschnittene, Richtlinienreihe der VDI 2552 etwas aufzulösen und auch der BuildingSMART schafft häufig eigene Standards und Handreichungen zu einzelnen praxisnahen Themen. Die Schwierigkeit ist leider trotzdem, dass die Standards im Kern viel Theorie erhalten und diese nicht zwingend der praktischen Anwendung entsprechen oder erst aufwändig überführt werden müssen.

Was bringen die Normen dann überhaupt?

Trotz aller Kritik leistet die Normung einen guten Beitrag für das Gesamtthema BIM. Allen voran, weil sie die Grundlage für ein einheitliches „BIM Verständnis“ und die Zusammenhänge schafft.  Wie man diese nun aber mit Leben und Inhalt füllt, bleibt leider vorerst jedem selbst überlassen, auch wenn der Rahmen immer besser und klarer gezogen wird.

Meine Arbeit in den Normenausschüssen

Ich freue mich im Arbeitsausschuss 2 – Datenaustausch und der WG2-Data Exchange mitwirken zu können. Konkret arbeite ich sowohl auf deutscher DIN-Seite als auch auf CEN-Seite an dem Thema Level of information Need (LOIN) aktiv mit. Dabei ist für mich die praktische Relevanz entscheidend, da die Themen in diesem Bereich entweder Grundlage für Software und „Contententwickler“ sind oder (wie beim LOIN) auch direkte praktische Hinweise zum Aufbau und Austausch von Informationen enthalten.

Da die Normung von Freiwilligkeit lebt und Kosten verursacht, ist die Voraussetzung für die Mitarbeit, dass man auch hinter den Themen steht, die man gemeinsam entwickelt. Daher bin ich zu meiner Teilnahme sehr positiv gestimmt und habe den Eindruck, dass die Normung etwas für das gemeinsame BIM-Verständnis bewirkt.

Daher nutze ich ab jetzt auch gern die Chance, nach den Hauptsitzungen einen kurzen Kommentar hier auf dem Blog zu veröffentlichen und so zumindest den aktuellen Entwicklungsstand immer wieder für euch bereitzustellen.

Abschließend möchte ich euch empfehlen, sich die Normungsthemen anzuschauen und wenn ihr mitwirken möchtet, seid ihr immer willkommen.